Bahn

Die schönsten Zugstrecken in Großbritannien

Sechs Strecken, die selbst eingefleischte Roadtrip-Fans zum Umdenken bringen.

Britischer Intercity-Zug durch grüne englische Landschaft

Wer Großbritannien per Bahn erlebt, sieht Landschaften aus einer Perspektive, die das Auto nicht bietet. Diese Auswahl konzentriert sich auf Strecken mit echtem Erlebniswert - keine reinen Pendlerlinien.

West Highland Line (Glasgow - Mallaig)

Eine der spektakulärsten Bahnstrecken Europas: vorbei an Loch Lomond, durch Rannoch Moor, über den Glenfinnan-Viadukt bis ans Meer. Wer den Jacobite Steam Train statt der regulären Linie nimmt, fährt Sommer Dampfbetrieb - rechtzeitig buchen, oft Monate vorher ausgebucht.

Kurzfazit - so wird die Zugreise gut

  • Wenn du nur eine Strecke fahren kannst: West Highland Line von Glasgow nach Mallaig.
  • Wenn du Industriedenkmal-Flair willst: Settle-Carlisle mit Ribblehead-Viadukt.
  • Wenn du Ruhe und wenig Touristen willst: Heart of Wales Line.
  • Wenn du eine echte Bahnreise als Urlaub willst: BritRail Pass über 8 bis 15 Tage und mindestens drei Hauptstrecken kombinieren.
  • Wenn du knapp Zeit hast: Riviera Line in Devon - läuft mit auf der regulären Linie nach Penzance.
  • Sitzplatzseite vorab recherchieren - macht den Unterschied zwischen Tunnelblick und Postkartenausblick.

Settle-Carlisle Line (Nordengland)

Historische Strecke durch die Yorkshire Dales und Eden Valley, mit dem berühmten Ribblehead-Viadukt. Im Sommer wie im Winter beeindruckend.

Die 117 km lange Strecke wurde 1876 eröffnet und stand in den 1980ern kurz vor der Stilllegung - heute gilt sie als gerettetes Industriedenkmal. Highlight ist das 24-bögige Ribblehead-Viadukt (32 m hoch, 402 m lang), das du am besten von außen siehst: in Ribblehead aussteigen, 15 Minuten zum Aussichtspunkt laufen, mit dem nächsten Zug weiterfahren.

Empfehlenswerte Einstiegspunkte sind Leeds oder Carlisle, die kompletten 1 Stunde 40 Minuten zwischen Settle und Carlisle sind die landschaftlich besten. Sitze rechts in Fahrtrichtung Carlisle für die besseren Ausblicke. Im Winter mit Schnee besonders fotogen, im Frühjahr blühen die Wiesen.

Heart of Wales Line

Ruhige Nebenstrecke durch ländliches Mittelwales mit kleinen Bahnhöfen, viel Grün und sehr wenig Tourismus. Wer entschleunigen will, ist hier richtig.

Die rund 195 km von Shrewsbury nach Swansea dauern mit allen Halten knapp 4 Stunden - geplant als Tagesetappe, nicht als Verbindung von A nach B. Die Strecke führt durch 34 winzige Stationen, viele davon Request Stops: nur auf Handzeichen halten die Züge an. Höhepunkte sind der Cynghordy-Viadukt und die Sugar-Loaf-Tunnel-Strecke durch dünn besiedelte Hügelregionen.

Tageskarte (Heart of Wales Line Day Ranger) erlaubt Aus- und Wiedereinsteigen - ideal für Spaziergänge in Llandrindod Wells, Llanwrtyd Wells (kleinste Stadt Großbritanniens) oder Knighton. Verbindung mit dem Offa's Dyke Path lockt Wanderer.

Ffestiniog & Welsh Highland Railway

Historische Schmalspurbahn in Snowdonia mit Dampfbetrieb. Mehr Erlebnisbahn als Verkehrsmittel, aber landschaftlich grandios.

Die Ffestiniog Railway (Porthmadog - Blaenau Ffestiniog, 22 km) ist die älteste noch betriebene Schmalspurbahn der Welt (Eröffnung 1836). Die anschließende Welsh Highland Railway (Caernarfon - Porthmadog, 40 km) ist die längste Erbe-Schmalspurbahn Großbritanniens. Kombiniert ergibt sich eine durchgehende Fahrt von 62 km am Fuß des Snowdon vorbei.

Tickets ab etwa 30 GBP für eine Strecke, First Class und Pullman-Wagen mit Catering verfügbar. Die Saison läuft von März bis Anfang November, mit Sonderfahrten zu Weihnachten. Buchung 4 bis 8 Wochen vorher empfehlenswert - im Sommer und an Wochenenden oft ausgebucht.

Kyle of Lochalsh Line (Inverness - Skye-Tor)

Querung der schottischen Highlands bis fast zur Isle of Skye. Wechsel zwischen Wäldern, Bergen, Lochs und Meer.

Die 132 km lange Strecke gilt als eine der landschaftlich abwechslungsreichsten der Welt - von Inverness durch das Beauly Firth, vorbei am Loch Luichart und entlang des Strathcarron, bis zur Westküste am Loch Carron. Fahrzeit rund 2 Stunden 30 Minuten, vier Verbindungen täglich.

Vom Endbahnhof Kyle of Lochalsh ist es ein kurzer Bus-Hop über die Skye Bridge nach Kyleakin (Isle of Skye). Sitze links in Fahrtrichtung Kyle für die besten Loch- und Bergblicke. Die ScotRail-Highland-Rover-Tickets (4 Tage in 8 oder 8 Tage in 15) machen Kombi-Touren mit der West Highland Line wirtschaftlich.

South Devon Railway / Riviera Line

Küstenstrecke entlang des Englischen Kanals bei Dawlish - der Zug fährt teils direkt am Meer entlang. Besonders schön bei klarem Wetter.

Die GWR-Hauptlinie zwischen Exeter und Newton Abbot läuft über rund 6 km direkt auf einer Seemauer entlang der Küste bei Dawlish und Teignmouth - Wellen schlagen bei Sturm an die Zugfenster. Die Strecke ist Teil der regulären Verbindung London Paddington - Penzance, also ohne Aufpreis erlebbar.

Sitze links in Fahrtrichtung Plymouth/Penzance für Meerseite. Bei Niedrigwasser sieht man Sandstrände, bei Hochwasser brandet das Meer fast an den Zug. Die separate South Devon Railway ist eine Heritage-Dampfbahn von Buckfastleigh nach Totnes - hübsche Ergänzung an einem Tag, aber nicht die Küstenstrecke.

Typische Fehler bei Bahnreisen

  • Sitzplatz erst im Zug suchen statt vorab zu reservieren - auf Erlebnisstrecken oft kein Platz mit Aussicht.
  • Falsche Fahrtrichtung wählen - manche Strecken sind in eine Richtung deutlich schöner.
  • Den Jacobite Steam Train spontan buchen wollen - oft Monate ausverkauft.
  • Nur Hauptlinien fahren - die Nebenstrecken (Far North Line, Heart of Wales) sind das eigentliche Erlebnis.
  • BritRail Pass kaufen, ohne Tagesetappen vorher zu planen - kann teurer sein als Advance Tickets.
  • Gepäck unterschätzen - Großraumabteile haben begrenzten Stauraum, Rucksack ist praktischer als Hartschalenkoffer.

Empfehlung je Reisetyp

  • Erstbesucher Schottland: West Highland Line plus Caledonian Sleeper ab London.
  • Bahn-Enthusiasten mit 10+ Tagen: BritRail Pass mit Settle-Carlisle, West Highland, Heart of Wales.
  • Familien mit Kindern: Caledonian Sleeper als Abenteuer, Schmalspurbahnen in Wales (Ffestiniog).
  • Wanderer: Bahn als Zubringer zu Lake District (Windermere), Snowdonia (Betws-y-Coed), Highlands (Corrour).
  • Wenig Zeit, viel Wow: West Highland Line Tagesausflug ab Glasgow nach Oban oder Mallaig.
  • Romantiker: Riviera Line mit Küstenpassage Dawlish plus Aufenthalt in Devon oder Cornwall.

Fazit

Eine echte Bahnreise braucht mehr als nur ein Ticket. Plane die Strecken bewusst als Tagesetappen ein, sitze möglichst auf der landschaftlich besseren Seite (vorher recherchieren) und buche Sitzplätze auf langen Strecken vor.

Häufige Fragen

Welche Strecke ist die schönste?
West Highland Line gilt vielen als landschaftlich eindrucksvollste Strecke Großbritanniens.
Lohnt sich der Jacobite Steam Train?
Ja, aber rechtzeitig buchen. Wer die Strecke ohnehin fahren will, hat mit der regulären Linie eine gute Alternative.
Wie lang dauert die West Highland Line?
Glasgow Queen Street bis Mallaig rund 5 Stunden 20 Minuten, mit Aufenthalten in Crianlarich und Fort William. Die Strecke führt über das Glenfinnan-Viadukt, bekannt aus den Harry-Potter-Filmen.
Was ist der Caledonian Sleeper?
Nachtzug zwischen London Euston und Schottland mit Schlafkabinen bis Fort William, Inverness und Aberdeen. Frühzeitig buchen, Doppelkabine spart Hotelübernachtung.
Lohnt sich die Settle to Carlisle Line?
Ja, vor allem über das Ribblehead-Viadukt durch die Yorkshire Dales. Saisonal mit Dampfzügen erlebbar, regulär als Linienverkehr deutlich günstiger.
Welche Strecke eignet sich für Wales?
Die Heart of Wales Line von Shrewsbury nach Swansea durch sanfte Hügel und Brecon Beacons. Cambrian Line von Shrewsbury nach Pwllheli erschließt die Küste von Snowdonia.
Wie kombiniere ich Bahn und Wandern?
Lake District ab Oxenholme und Windermere, Snowdonia ab Betws-y-Coed, Highlands ab Bridge of Orchy oder Corrour. Stationen oft direkt an Wanderwegen, Rucksack im Großraumabteil unkompliziert.